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Vagabond 

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Dominic Miller Vagabond Vinyl 280611

Vagabond

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Musikalische Impressionen aus dem Süden Frankreichs

Dominic Miller
Auf seinem dritten ECM-Album “Vagabond" nimmt der Gitarrist Dominic Miller die Hörer/innen mit auf einen faszinierenden Streifzug durch seine Wahlheimat Südfrankreich.

Als "großartigen, gelassenen Geschichtenerzähler" bezeichnete Peter Ruedi in der Schweizer Weltwoche einmal den Gitarristen und Komponisten Dominic Miller. Und "Vagabond", sein nunmehr drittes Album für ECM Records, ist vielleicht seine bis dato poetischste "Geschichtensammlung". Seine Partnerschaft mit ECM begann Miller 2017 mit dem Album "Silent Light" (2017), für das Solo-Darbietungen des Gitarristen eingefangen wurden, zu denen Mike Bould gelegentlich perkussive Verzierungen beisteuerte. Auf dem Nachfolger "Absinthe" erweiterte Miller seine subtilen instrumentalen Entwürfe 2019 mit einer Quintett-Besetzung. Für "Vagabond" tat sich der Gitarrist nun erstmals mit dem israelischen Schlagzeuger Ziv Ravitz und dem schwedischen Pianisten Jacob Karlzon zusammen. Am Bass ist hingegen einmal mehr der Belgier Nicolas Fiszman zu hören, der schon seit 2005 fest zu Dominics Band gehört. An den kollektiven Geist seines letzten Albums anknüpfend, findet der Gitarrist hier neue Wege, seinen individuellen Ansatz im tief empfundenen Zusammenspiel des Quartetts zu präsentieren.

"Ich hatte nie die Absicht, ein Gitarrenalbum zu machen", sagt Dominic. "Dank der fantastischen Sängerinnen und Sänger, mit denen ich im Laufe der Jahre zusammengearbeitet habe, betrachte ich mich selbst eher als einen instrumentalen Songwriter. Und so wie sie, sehe auch ich es als meine Mission an, mich mit den besten Musikern zu umgeben, die das Narrative in den ‘Songs’ verstehen. Ich bin froh, dass ich hier für ‘Vagabond’ genau die richtige Besetzung zusammenstellen konnte."

Benannt ist das Album nach einem gleichnamigen Gedicht des englischen Poeten John Masefield, das Dominics verstorbenem Vater sehr am Herzen gelegen hatte. "Obwohl ich mich selbst nicht für einen ‘Vagabunden’ halte, kann ich mich mit Leuten identifizieren, die viel herumreisen, die diesem Lebensstil den Vorzug davor geben, an einem Ort zu bleiben und jeden Tag die immer selben Leute zu treffen."

In den Jahren 2020 und 2021, als die Musik für dieses Album entstand und entwickelt wurde, hatte der Gitarrist allerdings wenig Gelegenheit zum Reisen und konzentrierte sich so stattdessen auf die unmittelbare Umgebung in seiner Wahlheimat Südfrankreich. "Natürlich wurde ich von meiner Umgebung beeinflusst. Ich unternahm viele lange und einsame Spaziergänge, und die ländliche Gegend wurde irgendwie zu meinem Partner auf diesem Album. ‘Vaugines’ ist ein wunderschönes kleines Dorf, durch das ich wanderte. ‘Clandestine’ nimmt Bezug auf eine versteckte Bar, in der ich gelegentlich einige Einheimische traf. ‘Mi viejo’ bedeutet einfach ‘mein alter Herr, mein Vater’."

Auf "Vagabond" werden diese persönlichen Konnotationen in sehr besinnliche musikalische Landschaften übersetzt. Manchmal geschieht dies offen und unmittelbar wie in dem dramatischen Crescendo von "All Change", meist aber dadurch, dass sie in ein sanfteres Klanggewand gehüllt werden, so wie in den wehmütigen Harmoniewechseln von "Cruel But Fair" oder dem eindringlichen Austausch zwischen den Musikern in "Open Heart". Jeder einzelne von Dominics Mitstreitern trägt seinen Teil zur Gestaltung der Musik bei - der Gitarrist bietet einen Rahmen, in dem sich Ziv, Jakob und Nicolas entfalten können. Es ist eine fruchtbare Herangehensweise, die z.B. zu dem schwelenden Groove von "Altea" führt, bei dem Schlagzeug und Klavier in geradezu telepathischer Synchronität zueinanderstehen, oder zu der hypnotisierenden Balladenkunst von "Lone Waltz", bei der alle Musiker das dynamische Momentum aufbauen.

"Ich ändere bei all meinen Alben gerne die Besetzung, weil mich das immer wieder dazu ermutigt, eine andere Richtung einzuschlagen", erläutert Dominic. "Sobald ich die Stücke geschrieben hatte, lud ich die Musiker ein, drei Tage mit mir in Südfrankreich zu verbringen, um diese Songs durchzuspielen und ihre Strukturen und Melodien richtig kennenzulernen. Dann gingen wir ins Studio, wo ich sie um diese Arrangements herum frei spielen lassen wollte, und das Ergebnis ist, dass alle Stücke ein starkes improvisatorisches Element aufweisen."

Die vier Protagonisten - allesamt selbst erfahrene Bandleader - verstehen es, tiefe Grooves mit subtilem Zusammenspiel in Balance zu halten und Pastelltöne mit delikaten Harmoniewechseln zu verweben, während sie mit viel Bedacht und Raffinesse einen faszinierenden Weg durch das Programm zeichnen.

Am 18. Mai wird Dominic Miller das Programm des Albums zusammen mit Ziv Ravitz, Nicolas Fiszmann und Jakob Karlzon im Hamburger Kent Club live vorstellen.

Absinthe

Dominic Miller - Absinthe

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Dominic Miller - impressionistische Instrumentalmusik

Dominic Miller
© Christoph Bombart / ECM Records
Inspiriert von französischem Impressionismus und indigener argentinischer Musik zeigt sich Gitarrist Dominic Miller auf seinem neuen Album "Absinthe", dessen Genuss garantiert keinen Kater zur Folge hat!

Mit "Absinthe" hat der Gitarrist Dominic Miller ein Album geschaffen, das von einer wirklich besonderen Atmosphäre geprägt ist. "Den Titel hatte ich schon im Kopf, bevor ich überhaupt damit anfing, irgendwelche Stücke zu schreiben", verrät Miller in seinen Linernotes. "Ich lebe in Südfrankreich und finde den Impressionismus faszinierend. Scharfes Licht und hexenhafte Mistralwinde in Kombination mit starkem Alkohol und heftigen Katern müssen einige dieser Künstler in den Wahnsinn getrieben haben. Der Himmel ist grün, Gesichter blau, die Perspektive verzerrt." Während Millers erstes ECM-Album "Silent Light" ganz im Zeichen intimer Solo- und Duo-Einspielungen stand, präsentiert "Absinthe" den Gitarristen mit einem Quintett, das seinen stets lyrischen Kompositionen eine robustere Struktur gibt. Ein wesentliches harmonisch-melodisches Gegenstück findet Miller, der abwechselnd an mit Nylon- und Stahlsaiten bespannten Akustikgitarren zu hören ist, hier im Bandoneón des Dino-Saluzzi-Schülers Santiago Arias. Sehr viel Lebendigkeit erhält die Musik durch das Schlagzeug von Manu Katché, der über Jahre hinweg Millers Kollege in der Band von Sting war. Mike Lindups Keyboard-Töne verleihen Highlights wie dem Titelstück eine geisterhafte Note, während der Bassist Nicolas Fiszman dem Sound Bodenhaftung gibt. Miller selbst beschrieb die JazzTimes einmal als einen Gitarristen, der "jede Note und die Pausen zwischen ihnen auskostet und seine Finger flüsternd über die Saiten gleiten lässt".

"Absinthe" wurde nicht nur in Südfrankreich konzipiert, sondern dort auch von Miller mit der Band und Produzent Manfred Eicher im Studio La Buissonne in Pernes-les-Fontaines aufgenommen. Das Ambiente war ideal, sagt Miller: "Es ist eine wirklich tolle Atmosphäre, um zu arbeiten. Und ich liebe die Kooperation mit Manfred - er ist ein echter Produzent. Ich muss immer wieder an die inspirierende Authentizität der Platten denken, die er mit Egberto Gismonti gemacht hat. Sie waren für mich immens wichtig..."

"Die ursprüngliche Idee bei meinen beiden ECM-Alben, und vor allem bei diesem neuen, war, dass ein Song wie ein einfaches Selfie sein kann", erläutert Miller. "Aber sobald wir gemeinsam daran gearbeitet haben, wird das Stück zu diesem üppigen fotografischen Stillleben, das all die Licht- und Schattenseiten des Lebens reflektiert. Manfred hilft, die Essenz der Musik zum Vorschein zu bringen und lockt uns dabei oft aus unseren Komfortzonen heraus. Aber damit habe ich überhaupt kein Problem - wir haben jeden Song im Studio neu überdacht, neugestaltet und neu interpretiert. Ich habe im Laufe der Jahre etwa 250 Pop- und Rock-Platten gemacht, und dabei geht es oft darum, sogenannte Perfektion zu erreichen. Aber Manfred strebt diese Art von Perfektion nicht an."

Als Sohn eines US-Amerikaners und einer Irin kam Dominic Miller in Argentinien zur Welt, wuchs ab seinem zehnten Lebensjahr aber in den Staaten auf und studierte dann an der renommierten Guildhall School of Music in London. Durch die Welttourneen, die er seit den 1980er Jahren mit Größen wie Paul Simon, Phil Collins, Level 42, The Chieftains, Plácido Domingo und vor allem Sting unternahm, vertiefte sich seine internationale Denkweise nur noch mehr. Sting dient Miller seit langem als rechte Hand und Koautor bei Stücken wie "Shape Of My Heart". "Stings umfassender Sinn für Harmonien und die Art, wie er Lieder formt, hat mich beeinflusst", sagt der Gitarrist. "Ich versuche das Gleiche zu tun, indem ich eine Narrative mit Instrumentalmusik erzeuge, die ich wie Lieder behandle und arrangiere, mit Versen, Refrains, Bridges. Ich habe von ihm viel über Konzepte und Arrangements gelernt, und auch, wie man eine Geschichte mit Präzision erzählt."

Manu Katchés koloristisches Schlagzeuspiel kennt und liebt Miller schon seit Jahrzehnten, während der Bassist Nicolas Fiszman Mitglied seiner gegenwärtigen Live-Band ist. Wie sehr die beiden auf einer Wellennlänge liegen, wird hier durch ihren Abtausch in "Ombu" unterstrichen, einem Stück, das nach einem Baum der argentinischen Pampa benannt wurde, der für seine ausgreifenden Wurzeln bekannt ist. Arias entdeckte Miller erst vor kurzem in Buenos Aires. "Ich war dort auf Tour und nutzte einen freien Abend, um mir eine Jamsession von einigen lokalen Spitzenmusikern anzuschauen. Sie machten mich allesamt auf diesen jungen Bandoneónspieler aufmerksam. Santiago diese akustische, nicht im Tango wurzelnde, indigene argentinische, mit europäischen Einflüssen vermischte Musik spielen zu sehen, entzündete in mir einen Funken. Die Musik für 'Absinthe' schrieb ich mit dem Timbre seines Instruments und seinem Gespür für Raum im Kopf." 

Arias' Bandoneón spielt auf dem gesamten Album eine wichtige Rolle, sei es atmosphärisch in Stücken wie dem geheimnisvollen "Ténèbres" oder als solistische Stimme wie in "Saint Vincent". Der Titel des letztgenannten Songs bezieht sich nicht etwa auf den Post-Impressionisten Vincent van Gogh, sondern auf den 2017 verstorbenen kamerunischen Gitarristen Vincent Nguini, der über viele Jahre hinweg mit Paul Simon arbeitete und für Miller eine Art Mentor war. "Vincent hatte ein so besonderes Gespür für 'time', wie Schlagzeuger es gerne nennen", sagt er. "An der Art, wie er mit 'time' umging, konnte man ihn immer schon nach wenigen Noten erkennen."

Das Titelstück von "Absinthe" beginnt damit, dass Millers Hände die Nylonsaiten einer Gitarre mit kleinem Korpus mit der für ihn charakteristischen "handwerklichen Präzision" (wie die Irish Times es einmal ausdrückte) befingern. Nachdem Gitarre und Bandoneón die Melodie entwickelt haben, setzt Katché mit einem markanten Beat ein, der von Fiszmans tiefem Bass verstärkt wird. Das Stück erhält sofort die Dramaturgie einer Geschichte, wobei Lindups Synthesizer-Klänge subtil wie ein Gespenst durch das Arrangement schwirren und der Narrative etwas Außerweltliches hinzufügen. "Ich wollte, dass der Synthie ein störendes Element beisteuert, wie z.B. eine durch Absinth hervorgerufene Benommenheit", erklärt Miller. "Ich kenne Mike seit Jahren und weiß blind, was er in meine Musik einbringen kann. Mal sind es solche unkonventionellen Synthie-Klänge, dann wieder - wie in 'Étude' oder 'Verveine' - fließende Klavierlinien. Letzteres Stück ist übrigens nach einer Art Kräutertee benannt, den es in Frankreich gibt und den ich mag. Er soll hilfreich sein, wenn man einen Kater hat. Also schätze ich, dass die alten Maler ihn nach den Visionen des Absinthes als beruhigendes Gegenmittel benutzt haben könnten."

Silent Light

Silent Light

Silent Light

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ECM-Debüt von Sting-Gitarrist Dominic Miller - Gitarrenmusik mit internationalem Flair

Dominic Miller
© Steven Haberland/ECM Records
Auf dem Album "Silent Light", das auf CD und Vinyl erscheint, stellt Dominic Miller sein (nicht immer stilles) musikalisches Licht keineswegs unter den Scheffel.

Dass Dominic Millers "Silent Light" ein so internationales Flair ausstrahlt, sollte einen nicht wundern. Geboren wurde der Gitarrist als Sohn eines US-Amerikaners und einer Irin in Argentinien, wuchs ab seinem zehnten Lebensjahr aber in den Staaten auf und studierte dann an der renommierten Guildhall School of Music in London. Mittlerweile lebt der musikalische Globetrotter, der auch Stunden bei der brasilianischen Gitarren-Legende Sebastião Tapajós nahm, in Frankreich. "Silent Light" reflektiert all diese Lebensstationen Dominic Millers: In Stücken wie "Baden" (ein Tribut an den brasilianischen Gitarristen und Komponisten Baden Powell) gibt es starke lateinamerikanische Einflüsse, während  "Le Pont" die Pariser Luft des frühen 20. Jahrhunderts zu atmen scheint, "Valium" an keltische Stücke im Stil von Bert Jansch erinnert und "Fields Of Gold" eine gedämpfte Instrumentalversion von einer der bekanntesten Sting-Balladen ist. In dessen Band ist Miller seit über 20 Jahren nicht nur Gitarrist, sondern auch des Leaders rechte Hand.

Gemeinsam schrieben sie zudem den Welthit "Shape Of My Heart". Darüber hinaus arbeitete Miller mit den Chieftains, Plácido Domingo und Paul Simon zusammen. Letzterer lobt Miller im Booklet von "Silent Light" für seinen "wunderbaren Anschlag hat, der mit Aromen von Jazz und englischer Folkmusik gewürzt ist".

In seinen eigenen Anmerkungen im Booklet erinnert sich Miller, wie er sich mit seinem Produzenten Manfred Eicher über zwei ECM-Künstler unterhielt, die ihn musikalisch entscheidend beeinflusst haben: Egberto Gismonti und Pat Metheny. An dem einen fasziniert ihn, wie er seinen "ungeschliffenen" Ansatz mit "klassischen Obertönen" zu kombinieren versteht, an dem anderen die eher "Groove-orientierten" Stimmungen und das "Americana-Feeling" seiner Musik. An Methenys akustische Ausflüge erinnern auf "Silent Lights" Stücke wie "Angels" und "Tisane", während die Duo-Nummern mit dem Perkussionisten Miles Bould von dem Album "Duas Vozes" inspiriert zu sein scheinen, das Gismonti einst mit dem vor kurzem verstorbenen Naná Vasconcelos aufnahm. Bei Stücken wie dem synkopierten "Baden", dem nachdenklichen Opener "What You Didn’t Say", dem stimmungsvollen "Water" und dem nach einem Schachzug betitelten "En Passant" komplementiert Bould Millers Gitarre mit subtilen Rhythmen und Texturen. Grooviger wird es in "Chaos Theory", dem einzigen Stück des ansonsten live im Studio  aufgenommenen Albums, bei dem Miller mit Overdubs (einer zweiten Gitarre und des Basses) arbeitet, während Bould Schlagzeug spielt. "Wir haben uns einfach in der Art, wie es die brasilianische Band Azymuth tun würde, mit dem Beat vergnügt", verrät Miller. Die Gitarrensolostücke sind wiederum überwiegend gedämpft und intim. Auf die kompositorische Handschrift des Gitarristen hat natürlich auch die lange, intensive Zusammenarbeit mit Sting abgefärbt. "Ich versuche mit meiner Instrumentalmusik, die ich wie Songs behandle und arrangiere, eine ähnliche Narrative zu erschaffen, mit Strophen, Refrains und Überleitungen”, sagt Miller. “Wenn Dominic Gitarre spielt", meldet sich Sting höchstpersönlich zu Wort, “erschafft er Farben, ein komplettes Spektrum an Emotionen, eine klangliche Architektur, die sowohl auf Stille als auch auf Echo aufbaut. Er hebt die Stimmung in andere Höhen.”

Betitelt ist das Album nach dem gleichnamigen Film des mexikanischen Regisseurs Carlos Reygadas, dessen Arbeit auch ein Katalysator für die Aura von Einfachheit, Klarheit und Reinheit war, die dieses Album umgibt. "Seine Verwendung von Stille, Licht und Raum hat mich fasziniert", erläutert der Gitarrist. "Manchmal verstreichen Minuten ohne Bewegung oder Dialog, was ich sehr mutig und inspirierend fand."

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